Lernsimulationen – Wann sich die Investition lohnt und wann nicht

#E-Learning Trends
07.09.2017

Die Vielfalt von interaktiven E-Learning Formaten verführt schnell dazu, dass man möglichst viele davon auch in seinem Kurs berücksichtigen möchte. Vom klassischen Quiz über spielerische Szenen, wie einem Memory, bis hin zur simulierten Arbeitswelt. Doch eine Aneinanderreihung von interaktiven Formaten kann schnell zu einer Erschöpfung führen, mit der der motivierende und unterhaltende Charakter verloren geht. Es ist in jedem Fall sinnvoll, sich zu überlegen wie bzw. mit welchem erkennbaren roten Faden und wann es sich lohnt in interaktive Lerninhalte zu investieren.1

Wir haben Ihnen vor einigen Wochen bereits vorgestellt, warum Sie Lernsimulationen in Ihren Kurs einbinden sollten. In den simulierten Lernwelten können die Lernenden nah am Arbeitsplatz und über zahlreichen Explorationsmöglichkeiten hinweg die Lernmodule absolvieren, in der Fehler oder Zeit keine entscheidende Rolle spielen. Hier zur Veranschaulichung ein Beispiel aus dem Bereich „Segeln lernen“:

Bildquelle

Investieren oder nicht?

Dass Lernsimulationen sinnvoll und eine tolle Ergänzung zu klassischen E-Lernformaten sind, ist klar. Wir wollen Ihnen jedoch einige Tipps geben, die Ihnen helfen das Für und Wider von Lernsimulationen erfolgreich abzuwägen.

PRO

Sie sollten investieren, wenn Sie mit den folgenden Herausforderungen konfrontiert sind:

  • 1. Hohe Fehlerquoten

Für hohe Fehlerquoten im Arbeitsprozess gibt es eine Vielzahl an Ursachen. Unabhängig davon muss dieses „Fehler-Leck“ jedoch schnell behoben werden, da eine hohe Fehlerquote für Unternehmen besonders kostenintensiv ist. Dieses Problem kann mit Online-Simulationen aufgefangen werden. In den simulierten Szenen werden die „Problemfelder“ spezifisch hervorgehoben, detailliert dargestellt und mit einer konkreten Aufgabe von den Nutzern bewältigt. Die Übertragung auf den realen Arbeitsprozess fällt aufgrund der detailgetreuen und interaktiven Darstellung dann besonders leicht. Unabhängig von Fehlerquoten zeigen Praxisbeispiele aber auch, dass völlig unerfahrene Nutzer, z.B. neue Mitarbeiter, die mit komplexen Systemen vertraut werden sollen, von Lernsimulationen profitieren.2 Denn im sogenannten Onboarding, bzw. der Einarbeitung neuer Mitarbeiter, sollten Fehler erlaubt sein. Dafür schafft die simulierte Arbeitswelt genügen Freiraum und baut das Selbstbewusstsein auf, ohne dass sich die Mitarbeiter direkt in Interkation mit dem Vorgesetzten beweisen müssen.

  • 2. Einzigartige Erfahrungswelten

Wenn Ihre Mitarbeiter mit Lernerfahrungen zu tun haben, die ein realitätsnahes Szenario darstellen, wird das Wissen direkt übertragbar. Das bedeutet, dass sich die Lernenden mit der Lernwelt identifizieren können, weil sie sich darin wiedererkennen. Damit überwinden Sie sehr wahrscheinlich die sogenannte „training gap“, die beschreibt, dass das Gelernte häufig in der Praxis keine Anwendung findet, da z.B. die Ankerpunkte zur Arbeitspraxis fehlen.
Auch wenn es um sehr spezifische Lerninhalte geht, in die die Mitarbeiter detailliert eingeführt werden sollen, können die Teilnehmer diese „Welt“ ungestört und ohne tiefergreifende Konsequenzen erkunden. Der Vorteil auch hier: Sie können die Lernsimulationen an die jeweilige Zielgruppe der Nutzer anpassen. Nutzen Sie so z. B. einen Lernpfad für Einsteiger und einen für Fortgeschrittene, in der bereits detailliertere und komplexere Aufgaben zu bewältigen sind.

  • 3. Erhöhte Risikofaktoren in der realen Arbeitsumgebung

Wenn Sie es mit Systemen, Prozessen oder Produkten zu tun haben, die bei falscher, inkorrekter oder oberflächlicher Anwendung zu folgenreichen Konsequenzen führen können, dann sind Sie mit Lernsimulationen ebenfalls gut beraten. Wie bereits erwähnt sind Simulationen dafür da, dass der Lernende Informationen über eigene Erkundungen und Entdeckungen aufnimmt, ohne Angst vor Fehlern und Konsequenzen zu haben. Im Gesundheitswesen liegen Simulationstrainings daher stark im Trend. Das All India Institute of Medical Sciences hat beispielsweise eine E-Learning Lösung geschaffen, in der die Lernenden mit Videos und 3-D-Bildern nahezu live an einer Bypass-Operation teilnehmen.3 Schritt für Schritt werden hier die einzelnen Schritte intensiv gelernt, ohne dass ein Fehler lebensgefährlich Konsequenzen hätte.

 

CON

Falls einer der genannten Kriterien nicht und einer der nachfolgenden Kriterien konkret auf Ihren E-Learning Kurs zutrifft, dann sollten Sie sich überlegen, ob eine Investition in Lernsimulationen wirklich sinnvoll ist.

  • 1. Intuitive versus komplexe Themen

Unabhängig davon, wie komplex Ihr Thema ist, muss das Lernprogramm für die Lernenden nachvollziehbar und intuitiv zu bedienen sein. Sonst verfehlt E-Learning, als selbstgesteuertes Lernen seinen Zweck. Wenn Sie mit Ihrem Online-Kurs diese Anforderungen erfüllen und Ihre Lerninhalte über statische Anwendungen wie Quiz, Spielsequenzen oder Erklärvideos effektiv vermittelt werden können, dann ist es gegebenenfalls nicht notwendig in aufwendige Lernsimulationen zu investieren. Häufig ist dafür nicht allein die Komplexität des Themas, sondern eben auch die Orientierung in der Lernwelt ausschlaggebend. Ein intensives Training zur Herzoperation mit einem Quiz oder einem Podcast zu lehren, erfüllt in keinem Fall den Sinn nachhaltigen Lernens. Wohingegen neue Produktinformationen oder Compliance-Themen dafür deutlich besser geeignet sind. Stellen Sie sich also die Frage, in welchem Format das Thema am besten zu erkunden ist und wägen Sie dann ab.

  • 2. Stetige Neuerungen und Anpassungen

Wenn Ihre Lerninhalte in regelmäßigen Abständen aktualisiert und dementsprechend Anpassungen am Online-Kurs vorgenommen werden müssen, sollten Sie auf aufwendige Lernsimulationen verzichten. Oder, wenn doch, entsprechende Budgeterhöhungen kalkulieren. Die Produktion von umfangreichen Simulationen ist zeit- und kostenintensiv, daher sollten Sie vorab abstecken, ob Ihr E-Learning Projekt langfristig gut in einer Lernsimulationen aufgehoben ist. Wenn nicht und Sie trotzdem nicht auf Lernsimulationen verzichten möchten, dann bietet es sich an, einzelne Lernsequenzen zu produzieren, die individuell nachbearbeitet und bei Neuerungen einfach modifiziert werden können.

  • 3. Mobiles Lernen bevorzugt

Wenn Ihre Mitarbeiter die E-Learning Kurse größtenteils an mobilen Endgeräten absolvieren, sollten Sie in jedem Fall berücksichtigen, dass Mobilgeräte das Bildformat deutlich eingrenzen. Das Problem ist hier nicht nur, dass das Sichtfeld für die Lernenden deutlich minimiert ist, sondern auch, dass das sogenannte „screen within screen“ Problem auftreten kann. Wenn Sie beispielsweise zusätzliche interaktive Funktionen, wie z.B. Infoboxen, einbinden, in denen sich weitere Pop-Up Fenster öffnen, dann wird die Darstellung am Smartphone unübersichtlich.

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